Henner Pasch (Bergische IHK: Strukturwandel – was sich verändert, wenn Regionen, Organisationen und Menschen neu denken.
Shownotes
Unser Thema: Strukturwandel in der Branche. Was würde sich verändern, wenn Regionen, Organisationen und Menschen neu denken?
Unser Gast: Henner Pasch, Solinger Unternehmer und Präsident der Bergischen IHK.
Strukturwandel ist kein einzelnes Projekt und kein klar abgegrenzter Zeitraum. Er ist ein fortlaufender Prozess, der Regionen, Unternehmen und Menschen gleichzeitig betrifft – wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich.
In dieser Folge von „Mit Haltung und trocken – der Zukunftstalk mit Markus & Markus“ sprechen wir mit Henner Pasch, Solinger Unternehmer und Präsident der Bergische IHK, über die Frage, wie Wandel tatsächlich gelingt, wenn vertraute Strukturen sich auflösen und neue entstehen müssen.
Was bedeutet Strukturwandel für Regionen wie das Bergische Land? Welche Verantwortung tragen Unternehmen, wenn sich Geschäftsmodelle, Arbeitswelten und Wertschöpfung verändern? Wie gelingt es Organisationen, Orientierung zu geben, wenn Sicherheiten verschwinden? Und welche Rolle spielen Haltung, Führung und Dialog, damit Menschen Veränderung nicht nur aushalten, sondern mitgestalten?
Ein Gespräch über regionale Stärke, unternehmerische Verantwortung und die Frage, wie Zukunft entsteht, wenn Menschen bereit sind, neu zu denken – und gemeinsam zu handeln.
Mit Haltung und trocken - der Zukunftstalk mit Markus und Markus. Ein Podcast der WSW Wuppertaler Stadtwerke. https://www.linkedin.com/company/wsw-wuppertaler-stadtwerke-gmbh/?viewAsMember=true Januar 2026
Transkript anzeigen
00:00:05:
00:00:25: Hallo von meiner Seite.
00:00:26: Hallo auch von meiner Seite.
00:00:28: Herzlich willkommen, dass ihr wieder dabei seid.
00:00:30: Heute ist unser Thema Strukturwandel.
00:00:33: Strukturwandel als kein Schlagwort, sondern Alltag für Region, für Organisationen und für Menschen, die dort leben und arbeiten.
00:00:40: Wenn gewohnt es nicht mehr trägt, müssen neue Antworten gefunden werden, wirtschaftlich, organisatorisch und gesellschaftlich.
00:00:47: Darüber wollen wir heute reden, über Chancen, Brüche und die Frage, wie Wandel gelingen kann, ohne den Zusammenhalt zu verlieren.
00:00:55: Herzlich willkommen, lieber Henna Pasch.
00:00:57: Hallo.
00:00:57: Schön, dass du da bist.
00:00:58: Vielen Dank, dass ich da sein darf.
00:01:00: Schön, dass du da bist, freu mich auch sehr.
00:01:01: Wie immer steht heute wieder ein Weißwein auf dem Tisch.
00:01:03: Wir trinken ein Lugana.
00:01:05: und jetzt erst mal die Frage, wenn du abends nach Hause kommst, egal wie spät das ist aus dem Büro oder der IHK, nimmst du dann, greifst du dann eher nach dem Weißwein oder nimmst du dann eher das Bier aus dem Kühlschrank?
00:01:16: Weder noch tatsächlich dann am Abend eher eine Apfelschorle.
00:01:20: Hängt auch damit zusammen, dass man ja ehrlicherweise, wenn man so viel unterwegs ist und viel irgendwo eingeladen.
00:01:27: ist und viele gesellschaftliche Aufgaben hat, dass man dann ja durchaus auch schon mal an einem Tachenglas Wein getrunken hat und da ist es schon ganz schön herausfordernd, da immer Maß und Mitte zu finden.
00:01:39: Deswegen weiß man eigentlich, wenn nur am Wochenende mal.
00:01:45: Ich schwöre seit der Corona-Pandemie auf morgens eine Kombination von Crenberry, Muttersaft und Ingwer-Shot, um mich sozusagen fit zu halten.
00:01:57: Und dann wäre in Anführungszeichen vor dem Schlafengehen wahrscheinlich Bier oder Wein dann kontraproduktiv.
00:02:02: Aber ansonsten bin ich totaler Weißweinfan und den, den ihr hier ausgesucht habt, der gefällt mir ausgesprochen gut.
00:02:07: Den können wir weiter trinken.
00:02:10: Schön, dass du da
00:02:11: bist.
00:02:12: So, bevor wir starten, wir kennen uns ja ein bisschen, aber die Hörer wollen dich ja auch ein bisschen besser kennenlernen.
00:02:18: Starten wir bitte ein paar persönlichen Fragen.
00:02:21: Henna, was war dein erster Job und was hast du daraus fürs Leben gelernt?
00:02:26: Mein erster Job.
00:02:28: Ich habe in den Sommerferien bei einer Solinger Metallwaren-Firma Profile für Fenster abgeschliffen.
00:02:39: die in Fensterecken mussten und davon mehrere Tausend am Tag von Hand und musste mehrfach am Tag die Handschuhe wechseln und hab dann immer da gestanden und hab auf die Uhr geschaut und hab versucht auszurechnen, wie viele ich in welcher Zeit geschafft habe, um möglichst abschätzen zu können, wie lange ich für diese riesige Box von Tausenden von diesen Metallstücken noch brauchen würde.
00:03:05: Und das hat mich ... stark geprägt dieses Ereignis und hat mir gezeigt, was Arbeit eigentlich bedeutet.
00:03:14: Und das ist mir nachhaltig in Erinnerung geblieben.
00:03:19: Du führst erfolgreich ein Unternehmen und dieser Weg dazwischen zwischen diesen Profilen und dem, wo du heute stehst, gibt es da eine berufliche Entscheidung, die du heute anders treffen würdest?
00:03:30: Also, dass du sagst, da habe ich mal was gemacht, das würde mir heute nicht mehr passieren oder das hat mich jetzt nicht weitergebracht.
00:03:38: Eigentlich nicht.
00:03:39: Ich komme aus dem Beamtenhaushalt und da war Unternehmertum nicht so ein richtiges Thema und deswegen war es für mich ganz entscheidend diesen Schritt zu wagen.
00:03:51: Ich war damals sechsundzwanzig und ich habe das damals mit Kollegen zusammen gemacht und ich würde das auch heute wieder mit Leuten zusammen machen, weil man ja auch so ein bisschen Korrektiv braucht Leute, die einem sagen, ist man richtig unterwegs oder ist man nicht richtig unterwegs.
00:04:10: Und ich bin sehr froh, dass das so gelaufen ist, wie das gelaufen ist.
00:04:15: Ich glaube, ich würde da nicht keine wesentlichen Sachen anders machen.
00:04:17: Es war, glaube ich, gut, dass ich zunächst meine Ausbildung gemacht habe, mich aus der Ausbildung heraus dann ein bisschen noch etabliert habe und dann aber auch sofort den Absprung geschaffen habe.
00:04:28: Mit sechsundzwanzig, das war eigentlich eine super Zeit, um sich selbstständig zu machen.
00:04:32: Da hatte man noch nicht so große Verpflichtungen, hatte vielleicht noch nicht ein großes Darin für ein Haus unterschrieben oder ähnliches, noch keine Familie.
00:04:39: Und das war, glaube ich, der wesentlichste Erfolgsfaktor, dass ich das zu einer Zeit gemacht habe, wo, ich sag mal im wahrsten Sinne, no risk, no fun tatsächlich auch so richtig gepasst hat.
00:04:48: Wolltest
00:04:49: du das schon immer werden?
00:04:50: Also war das auch als Kind deinen Berufswunsch?
00:04:52: Hattest du als Kind Berufswunsch wie Grisu?
00:04:55: Der Feuerwehrmann.
00:04:58: Ich habe ja zweitausend Abitur gemacht, da hatten wir damals so rund um fünf Millionen Arbeitslose.
00:05:03: Und damals war dieser T-Noir Kinder statt Inder, so rum war es, glaube ich.
00:05:08: Und wir waren ziemlich orientierungslos.
00:05:11: Und das ist mir jetzt nochmal bewusst geworden.
00:05:14: Das ist eine ähnliche Situation wie die ganz jungen Leute, die jetzt gerade kurz vor dem Thema Berufswahl oder so stehen auch, denn wir haben jetzt ja die letzten zehn, fünfzehn Jahre eigentlich ununterbrochen Boom erlebt und die letzten drei Jahre waren jetzt so kein Boom.
00:05:30: Und das war bei mir nach dem Abitur auch so eine Phase, wo es der deutschen Wirtschaft und der Gesellschaft irgendwie im weitesten Sinne richtig schlecht ging.
00:05:39: Und da war für mich diese Frage, was machst du nach dem Abitur?
00:05:45: Da war das total hilfreich, dass es damals den Wehrdienst respektive, den Zivildienst gab.
00:05:50: Und ich wollte zum damaligen Zeitpunkt Maschinenbau an der RWTH Aachen studieren.
00:05:53: Mein Abitur war aber eigentlich nicht gut genug dafür.
00:05:56: Und deswegen habe ich gedacht, das ist eine mega gute Idee.
00:05:58: Du gehst zur Bundeswehr und betreufst auf irgendwie, ich wollte gerne zur Marine, betreufst auf so einer Fregatte, so eine Gas-Turbine.
00:06:06: Das war so meine Vorstellung.
00:06:07: Dann wurde ich aber, ich sag mal, in der Anführungszeichen, genau, wurde ich für die Bundeswehr eigentlich zu schlecht in Anführungszeichen für den Job oder für den Posten, den ich mir da überlegt hatte, was ich gerne machen wollte, zu schlecht gemustert.
00:06:18: zu viele Sportverletzungen, dann sollte ich Flugzeuge irgendwo in der Wüste in den USA bewachen und betanken.
00:06:26: Das ist aber für die Bundeswehr schon kein schlechtes Ziel, ne?
00:06:29: Ja, warum das so?
00:06:32: Also, die hatten da irgendwie Bedarf und ich wollte das dann nicht machen, habe ich dann mich dann eben doch für Zivildienst entschieden, habe sozusagen mir so wie man das damals so gemacht hat.
00:06:45: mit der Kriegserfahrung des Großvaters, da die schönen zwei, drei, vier, fünf, sechs, die nach vier Seiten überlegt, die man sich so überlegen muss.
00:06:50: Und bin da dann beim Zivildienst bei der Stadt Solingen, bei der Volkshochschule, mit IT im Berufsalltag in Kontakt gekommen.
00:06:59: Mich hat IT immer schon interessiert.
00:07:02: als Jugendlicher und aber natürlich immer eher in so einem spielerischen Kontext.
00:07:06: Und da bei der Volkshochschule habe ich das in einem beruflichen Kontext kennengelernt oder das fand ich faszinierend und das hat da letztlich die Grundlage dafür gelegt, dass ich mich danach als IT-Unternehmer selbstständig gemacht habe.
00:07:16: Wenn das nicht gewesen wäre, also deswegen, das ist für mich so ein wesentlicher Aspekt und wenn ich mich mit Leuten in meinem Alter unterhalte, dann geht das total vielen Leuten so.
00:07:24: Deswegen finde ich diese Debatte darum, ob das jetzt eigentlich was Gutes oder was Schlechtes ist, wenn wir jetzt von der jetzigen jungen Generationen in Anführungszeichen als Gesellschaft verlangen, sich in den Dienst des Vaterlandes zu stellen und so was.
00:07:40: Ja, natürlich birgt das in Anführungszeichen ein gewisses Risiko.
00:07:45: Und vielleicht war das auch lange nicht so groß, wie es jetzt ist.
00:07:48: Aber andererseits ist das, glaube ich, auch für viele eine Mega-Chance.
00:07:52: Aber heute nicht unser Thema.
00:07:53: Ja,
00:07:53: stimmt.
00:07:55: Stimmt.
00:07:56: Könnte man aber auch, könnte man auch stundenlang drüber sprechen.
00:07:59: Das stimmt.
00:08:00: Machen wir nochmal was.
00:08:00: Dann können wir einsteigen in das Thema.
00:08:02: Steigen wir ein in das Thema.
00:08:04: Hena, du bist ja seit vielen Jahren, du hast gerade gesagt, du bist Unternehmer, selbstständiger Unternehmer und du bist ja jetzt auch stark an der Schnittstelle Politik, Wirtschaft als AK-Präsident, seit vielen Jahren hier im bergischen Städte Dreik auch erfolgreich unterwegs.
00:08:17: Lass uns mal den Blick auf das bergische Land setzen und wir merken ja hier viel Strukturwandel, hier ist viel Automobilzulieferindustrie, Werkzeugindustrie und so weiter.
00:08:29: Natürlich merken wir auch den Strukturwandel, den der sonst überall in unserer Gesellschaft im Alltag vorkommt.
00:08:34: Woran merkst du die Veränderung oder wie definierst du diesen Strukturwandel für dich?
00:08:39: Was sind die wesentlichen Parameter, wo du sagst?
00:08:42: Daran erkenne ich eine Veränderung gegenüber der letzten zehn Jahre im bergischen Städte Dreieck, die uns betrifft.
00:08:50: Leider hat tatsächlich darin, dass man immer wieder von Unternehmen hört oder Unternehmen trifft, die nicht mehr weiter existieren, entweder weil es sich betriebswirtschaftlich nicht mehr rechnet oder weil niemand mehr diese Firmen übernehmen möchte und dann in dem Zusammenhang eben viele sehr gut bezahlte Arbeitsplätze in dem Bereich verloren gehen.
00:09:15: und das macht was mit unserer Gesellschaft.
00:09:17: Das macht was natürlich mit den Unternehmen, das macht was mit den Industriegebieten, in denen das bis der Stadt gefunden hat.
00:09:24: Das macht etwas mit unseren Wertschöpfungsketten hier vor Ort.
00:09:27: Also wir kriegen auch als IHK immer wieder Anfragen, weil jenes oder dieses Unternehmen nicht mehr existiert, ob uns jemand einfällt, der das bis dato gelieferte Teil oder die bis dato gelieferte Ware irgendwie anders liefern kann.
00:09:42: weil eben das hier vor Ort nicht mehr klappt.
00:09:45: Und das ist schon etwas, was einen betrübt.
00:09:48: Denn wir wissen ja, dass wir diese Produkte weiter brauchen.
00:09:53: Also der Schraubenschlüssel, das Küchengerät, dieses Schneidwarenprodukt, die Teile für die Autos, gerade bei den Autos vielleicht nicht mehr in den Mengen, aber die anderen Sachen, die werden ja trotzdem weiterhin gebraucht.
00:10:04: Also das sind ja keine Produkte oder keine Dinge, wo die Sachen wegfallen, weil sie eine Videokasette sind.
00:10:12: Sondern das sind ja weiterhin Dinge, die wir in unserem Lebensalltag als Werkzeug weiter benötigen.
00:10:17: Und das bedeutet ja dann im Umkehrschluss, wenn wir sie nicht mehr herstellen, werden sie irgendwo anders auf der Welt hergestellt, möglicherweise zu völlig anderen Bedingungen, aber insbesondere nicht mehr durch unsere Leute von hier sozusagen.
00:10:30: Und das macht dann was mit den Städten.
00:10:32: Und das macht sich, finde ich, auch negativ, Bemerkbar.
00:10:36: und ja, da müssen wir gucken, ob es da eine Chance gibt, sich da irgendwie gegen aufzulehnen, ob das nochmal wiederkommt.
00:10:45: Da geht es ja bei der Transformation und bei der Geschwindigkeit aber auch eher darum, ob es jetzt Wettbewerbsmöglichkeiten für die Unternehmen gibt.
00:10:52: Das Thema Bürokratieabbau ist seit Jahren In jeder Überschrift einer jeder Regierung ist es in jedem Wahlprogramm drin, dass das unbedingt nötig ist.
00:11:01: Passiert ist nach meiner Meinung relativ wenig.
00:11:05: Lässt dich das eher verzweifeln oder siehst du auch ein bisschen Licht am Horizont und kannst du auch in deiner Rolle als IRK da da Flöcke setzen und sagen, da muss unbedingt was passieren, weil sonst brauchen wir uns auf den Weg der Transformation gar nicht begeben.
00:11:20: Also das ist ja wirklich diese Bürokratie, das ist ein Total kurioses Thema.
00:11:24: Auf der einen Seite hat das in der Vergangenheit dazu geführt, dass wir ein total sicherer Hafen für Investitionen waren.
00:11:31: Wenn man Geld zu viel hatte und man wollte ein Unternehmen aufbauen oder sich darauf verlassen können, dass Rahmenbedingungen gut sind und so sind wie sie sind, dann hat man das vielleicht in Deutschland getan, weil man wusste, hier ist alles klar geregelt.
00:11:45: Zwischenzeitlich haben wir eine Regelungswut und vertrauen überhaupt nicht mehr darauf, dass wir Dinge auch als Menschen, als Gesellschaft und als Unternehmen selbstständig können, ohne dass uns irgendjemand bevormondet.
00:11:59: Und das ist das eigentliche Kernproblem.
00:12:01: Und damit müssen wir unbedingt aufhören, weil wir uns das volkswirtschaftlich nicht mehr leisten können, weil uns das total behindert und weil andere das nicht so machen.
00:12:10: Die schaffen auch Rahmenbedingungen, sodass man gut wirtschaften kann, aber eben nicht mit dieser Überbürokratisierung.
00:12:17: Gibt ja da ja sogar ein Begriff für, das ist dieses Goldplating.
00:12:21: Wir haben irgendwie eine EU-Regel oder irgendeine Regel und wir verschärfen die noch.
00:12:25: Und wenn es eine Landesregel ist, dann gehen unsere Kommunen her und verschärfen die noch.
00:12:29: Gerade öffentliche Vergabe.
00:12:31: Wir vereinfachen die Vergaberegeln.
00:12:34: für die Kommunen, damit die schneller Dinge investieren können und damit die schneller Sachen umsetzen können.
00:12:40: Und anstatt dass wir uns darüber freuen, gehen ganz viele Kommunen her und schaffen sich jetzt selber neue Regeln, die dann denen entsprechen, die wir gerade abgeschafft haben.
00:12:48: Also das ist schon einfach irgendwie irre.
00:12:50: Ich
00:12:50: ändere das auch manchmal ans alte Rom.
00:12:52: Irgendwie, die sind auch am Ende.
00:12:54: Und da ging er untergegangen.
00:12:55: Die der Dekadenz erstickt, die jetzt nicht nur Dekadenz im monetären Sinne oder im Luxus Sinne, sondern einfach an anderen Regeln.
00:13:02: Administration und so weiter.
00:13:04: Das
00:13:04: wäre tragisch, wenn das so wäre.
00:13:05: Aber
00:13:06: wir stehen
00:13:06: da kurz vor.
00:13:07: Glaubst du denn, gibt es aus deiner Sicht Region Länder, die mit dieser Erkenntnis der Notwendigkeit zur Veränderung besser umgehen, als wir das hier tun, wie du es gerade beschrieben hast?
00:13:19: Also meine Wahrnehmung ist schon alleine in unserem föderalen System, dass das innerhalb Deutschlands, dass es da ein Gefälle gibt.
00:13:25: Ja, also mein Beispiel.
00:13:27: Mein Eindruck ist, dass wir tatsächlich in NRW das an manchen Stellen wirklich komplett übertreiben.
00:13:35: Und jetzt gibt es andere, die uns vielleicht darin übertreffen wollen.
00:13:40: Gesellschaftliche Entscheidungen beispielsweise im Bundesland Hamburg.
00:13:44: Muss man sich ja fragen.
00:13:46: Meinen die das ernst?
00:13:47: Wie stellen die sich das vor, wie das funktionieren soll?
00:13:50: Da kann man nicht so richtig begreifen.
00:13:53: Du
00:13:53: sprichst auf deren Zielsetzung zur Klimaneutralität an, oder?
00:13:57: Ja, vielleicht ist die nicht aufgefallen, dass sie in Hafen sind.
00:14:00: Aber möglicherweise merken sie das jetzt bei nächster Gelegenheit irgendwann.
00:14:04: Da kennt
00:14:04: Schiff mehr rein.
00:14:06: Genau, das ist schon irgendwie kurios.
00:14:10: Mein Eindruck ist, wenn man sich von Nordrhein-Westfalen in die südlichen Bundesländer ins Auto setzt, dass zum Beispiel das Thema Baustellen oder Ähnliches, obwohl das die Autobahn GmbH bundesweit ist, das das Gefühl da anders gehandhabt wird.
00:14:28: Dieses Beispiel setzt sich dann ja, nehmen wir mal den Straßenverkehr fort, wenn man beispielsweise mal bei unseren niederländischen Nachbarn guckt, wenn man von uns aus Nordrhein-Westfalen in die Niederlande fährt.
00:14:38: Vor fünf Jahren, vor drei Jahren, wenn ich mit meinen Eltern in den Niederlande gefahren bin, haben die uns ein bisschen vorgewarnt und haben gesagt, da müsst ihr nicht so genau hingucken.
00:14:46: Da sind die Leitungen auf der Wand verlegt und da ist alles nicht so ganz so top.
00:14:50: Da dürfte nicht so kritisch sein und die Infrastruktur ist nicht so toll.
00:14:55: Heute ist es genau anders herum.
00:14:57: Also, ich hab das mal an einer Stelle erzählt, heute ist das so, wenn du einen Wasserkasten oder einen Bierkasten oder so was hast du im Auto und der macht auf der deutschen Autobahn bis zur niederländischen Grenze fährst, macht der Rieseneskalation im Kofferraum und wenn du dann über die Grenze fährst, dann ist er plötzlich still und auf dem Rückweg passiert genau das Gegenteil.
00:15:16: Und das ist schon irgendwie, finde ich, kurios.
00:15:18: Also wir schauen uns zu wenig gute Sachen von anderen ab und meinen, wir müssten das Rad immer neu erfinden.
00:15:27: Also, wir machen Dinge auf eine so komplizierte Art und Weise, auf so eine Idee wäre kein andere gekommen.
00:15:34: Das hat uns in der Vergangenheit total erfolgreich gemacht, ist aber, glaube ich, heute ein Hemmschuh.
00:15:39: Nehmen wir mal die Lkw-Maut.
00:15:42: Die ganze Welt würde ein kleines Kastel oder sowas in die Scheibe machen, ein kleines Gerät mit kleiner Investition.
00:15:47: Wir machen einen riesen Teil mit einer neuen Behörde.
00:15:50: Mega komplex, superaufwendige Videokameras, riesige Türme und Anlagen.
00:15:56: Und dann sorgen wir noch für eine Regelung, dass wir die Videokameras aber unter gar keinen Umständen für irgendwas anderes verwenden können.
00:16:03: Also diese Videokameras, die wir dann für die Überwachung der Lkw-Maut verwenden, die theoretisch auch noch andere Dinge tun könnten.
00:16:12: Das dürfen die also auch unter gar keinen Umständen machen, weil das wäre ja, also das wäre ja unglaublich, ja, wenn wir da irgendwie nutzend ausziehen würden.
00:16:20: Sowas finde ich einfach, das sind jetzt so, gibt ja auch hier bei uns so kuriose Beispiele, ne?
00:16:26: Und da müsste wir einfach aufpassen, oder es kann uns, kann sogar sein, dass das an der einen oder anderen Stelle schon passiert ist, dass wir damit Menschen, die sich hier selbstständig machen wollen, wofür es auch heute eigentlich noch super gute Bedingungen gibt, dass wir damit Leute verschrecken und das dann sein lassen und damit an unserer, ja, ich sag mal, an unserer volkswirtschaftlichen Zukunft und auch an unserem Wohlstand arbeiten, aber negativ.
00:16:55: Siehst du bei deinen Mitgliedsunternehmen, die du vertrittst, auch im Strukturwandel eine gewisse Verantwortung?
00:17:01: Auf jeden Fall.
00:17:02: Die Unternehmen müssten auch wahnsinnig viel dazu beitragen, logisch.
00:17:05: Also, dass jeder Unternehmer, die Mittelständler genauso wie die anderen auch, keiner will ja der, ich sag mal, Videokasettenverleier sein und dann vom Netflix überholt werden.
00:17:17: Also da macht sich ja jeder Gedanken darüber, was ist mit meinem Geschäft?
00:17:22: Und ist das Geschäft, was ich da betreibe, eigentlich noch zeitgemäß, muss sich da dran was ändern und so weiter und so weiter.
00:17:30: Und solange er der Unternehmer oder die Unternehmerin möglichst viele der Parameter in der eigenen Hand hält, hat er eine Chance.
00:17:37: Aber wenn ganz viele Aspekte hinzukommen, auf die er überhaupt keinen Einfluss hat.
00:17:43: Nehmen wir mal so was wie die Zölle beispielsweise, dann wird es natürlich extrem schwer.
00:17:47: Und dann wird es auch
00:17:49: natürlich... Das ist gut, dass wir nicht Energie kosten gesagt
00:17:51: haben.
00:17:51: Dann wird es auch undankbar, könnte man an der Stelle aber auch nennen.
00:17:56: Ja, in der Tat, stimmt ja.
00:17:57: Woran glaubst du, warum tun sich Organisationen oder auch wir als Region vielleicht, warum tun wir uns so schwer bei Veränderung?
00:18:05: Du hast gesagt, na klar, eins sind exogene Faktoren, die kannst du nicht beeinflussen, aber die gibt es.
00:18:10: Wenn man ehrlich ist, gab es sie immer schon, die man nicht voraussehen konnte oder die man nicht beeinflussen kann.
00:18:16: Aber trotzdem ist ja ein Veränderungs, das merken wir ja auch bei uns im Unternehmen, ist ein Veränderungsprozess ist schwer.
00:18:22: Und warum glaubst du, warum tun wir uns so schwer damit?
00:18:27: Du hast vorhin gesagt, wir schauen uns wenig von anderen ab und so weiter, aber man liegt es aus deiner Sicht.
00:18:32: Also meine Kerne Antwort wäre unsere inzwischen absolut fehlende Risikobereitschaft.
00:18:39: Wir leben in Summe.
00:18:40: in so einer Art Vollkasko-Mentalität.
00:18:42: Und die haben wir.
00:18:43: durch die letzten Jahre, insbesondere durch die Corona-Pandemie, hat sich das noch mal verschärft.
00:18:48: Wir sind nicht mehr gallig, wir sind nicht mehr kribbelig, wir sind nicht mehr risikobereit.
00:18:53: Wir scheuen auch mit einer Sache zu scheitern.
00:18:57: In anderen Gesellschaften ist das so, wenn du gescheitert bist, dann bist du eigentlich überhaupt erstmal qualifiziert, was Neues noch mal zu machen.
00:19:04: Weil die Leute dann sagen, na ja, der weiß schon, wie das ist.
00:19:07: Der wird sich noch mehr Mühe geben, dass das nicht noch ein zweites Mal passiert.
00:19:11: Bei uns bist du eigentlich, wenn du gescheitert bist, bist du durch.
00:19:14: Das gilt im politischen, das gilt im gesellschaftlichen, das gilt auch im unternehmerischen.
00:19:19: Und das ist, meine ich, der falsche Ansatz.
00:19:22: Aber ich glaube, insgesamt als Gesellschaft fehlt uns an vielen Stellen der Mut.
00:19:26: Und wir sind, glaube ich, an vielen Stellen auch zu satt.
00:19:31: Das ist so ein bisschen ... Das ist ja gerade Handball-Europameisterschaft.
00:19:35: Ich hab ja auch mal intensiv Handball gespielt.
00:19:37: Und bei uns war das immer so, dass der Trainer vor wichtigen Spielen am Ausgang von der Kabine stand und kontrolliert hat, ob wir auch alle noch mal Pipi machen werden.
00:19:49: Weil der einfach gesagter Thema, wenn ihr nicht in Anführungszeichen so heiß seid, dass ihr noch mal Pipi machen gehen musstet, dann seid ihr nicht bereit für das Spiel.
00:20:00: Und dann hat er uns aus dem Kader genommen und hat gesagt, so, und das ist so ein bisschen was, ähm, du musst,
00:20:09: du musst
00:20:10: irgendwie, ja, du musst, ähm, du musst ja irgendwie so ein bisschen, das ist ja eine Mentalitätsfrage.
00:20:17: Na so, und was wir gefühlt als, als weiteren Aspekt, was wir glaube ich auch nicht mehr so richtig können, als Gesellschaft und auch viele individuell nicht, ist Tempoverschärfung, wenn sie notwendig wird.
00:20:31: Wir sind gewöhnt, dass eine Sache so und so abläuft.
00:20:35: Und nur im absoluten Extremfall kriegen wir diese Tempoverschärfung hin.
00:20:41: Diese LNG-Gas Terminals sind ein Beispiel dafür, dass wir das dann plötzlich
00:20:47: schaffen.
00:20:48: Aber im Alltag kriegen wir diese Tempoverschärfung nicht hin.
00:20:55: Ich sehe das immer ... Mit meinen Kids zum Beispiel.
00:21:00: Wenn wir morgens, wenn es auf dem Weg zur Schule, bekennt man, fehlt noch das, fehlt noch dies, fehlt noch jenes.
00:21:06: Dann muss der noch mal zurück in sein Zimmer.
00:21:10: Dann musst du auch Tempo verschärfen, um das noch pünktlich zu schaffen, um das noch hinzukriegen.
00:21:15: Das macht dann bei mir Blutdruck.
00:21:17: Ich hab dann schon das erste Mal durchgeschwitzt, weil ich die Kids antreibe und sage, Leute, wir müssen das jetzt packen, wir haben das selber verbaselt.
00:21:24: dass wir hinten dran sind, wir müssen jetzt Gas geben.
00:21:27: So, und ich mach das permanent.
00:21:30: Meine Kinder finden das zum Teil wahrscheinlich ein bisschen spooky, dass ich das so mache.
00:21:35: Aber wenn ich so auf andere Generationen gucke oder wenn ich so zu gucke, es ist völlig akzeptabel, dass wenn bei uns im bergischen Städte Dreik in Remscheid Wuppertal Soling mal ausnahmsweise wie der Schneefeld, dass dann jeder zu spät kommt.
00:21:51: Das hätte es doch früher nicht gegeben.
00:21:54: Früher hatten wir aber keine Wetter-App.
00:21:56: Da hätten wir morgens in der Zeitung gelesen, dass Schnee kommt.
00:21:58: Dann hätten wir rausgeknitten festgestellt, stimmt, ist Schnee da.
00:22:02: Heute haben wir die Wetter-App, die uns schon Tage vorher sagt, so und zu viel können es werden, so und zu heftig wird das.
00:22:09: Da wird dann bei uns die Schule abgesagt.
00:22:11: Und das ist etwas... Naja,
00:22:14: früher war es einfach Winter.
00:22:15: Ja, früher war einfach Winter.
00:22:16: Und dann hat man sich die dickeren Schuhe angezogen und hat vielleicht die anderen die Lederschuhe in den Rucksack getan oder in die Aktentasche und hat dann irgendwie geguckt, dass man ein bisschen früher losmacht und ist dann auch irgendwie pünktlich im Büro angekommen.
00:22:29: Heute wird das total tollal akzeptiert und du wirst als Chef oder als Lehrer oder irgendwie wirst du komisch angeguckt, wenn du kritisierst, dass jemand wegen Schnee zu spät ist.
00:22:39: Ja, es war doch Schnee.
00:22:40: Es war doch Schnee.
00:22:40: Es war doch Schnee.
00:22:42: Da hat sich was verändert.
00:22:45: Das können wir uns, glaube ich, aber eigentlich nicht mehr leisten.
00:22:48: Aber woran macht man das dann irgendwie fest?
00:22:51: Neben dem Toilettengang im Handball oder der Wetter-App ist so dieser Wandel.
00:22:56: Wann ist der für Menschen nachvollziehbar und wann er?
00:22:58: schreckt er oder erzeugt er Widerstand?
00:23:01: Weil der Mensch hat ja eigentlich ein bisschen Sorge immer, dass sich was verändert.
00:23:04: Ich glaube, das Kernproblem ist Kommunikation.
00:23:07: Wir sprechen dazu wenig drüber und wenn wir darüber sprechen, sprechen wir darüber und sind direkt empört.
00:23:15: Also wenn etwas angesprochen wird... Wo ich im ersten Augenblick denke, meint er oder sie das jetzt ernst, dann reagieren wir inzwischen automatisch mit einer Art von Empörung.
00:23:25: Wie kann er denn sagen, dass das schlimm ist, dass die Schule abgesagt wird?
00:23:29: Oder wie kann er denn sagen, dass sich junge Leute vielleicht ein bisschen stärker engagieren müssen?
00:23:34: Oder wie kann er das denn sagen?
00:23:35: Oder wie kann er das dann sagen?
00:23:36: Wir haben sofort so eine Empörungsblase und dann springen ganz viele darauf auf.
00:23:40: und sagen, ja, das ist ja ganz schrecklich und das kann man doch so nicht machen.
00:23:44: Und das ist, glaube ich, das Kernproblem.
00:23:46: Wir müssen uns bei vielen Punkten Gedanken darüber machen, was wollen wir als Gesellschaft eigentlich diskutieren?
00:23:55: Oder was sind unsere Themen, die uns beschäftigen?
00:23:57: Und dann müssen wir uns damit auseinandersetzen.
00:23:59: Das müssen wir wegen mir zum Beispiel heute in so einem Format machen.
00:24:03: Könntet mir jetzt nicht nur Fragen stellen, sondern könntet ja auch, wenn ich irgendwas sage, was euch nicht gefällt oder wo ihr anderer Meinung seid, könntet ihr ja sagen, Mensch, das sehe ich aber völlig anders, sondern könnt wir darüber diskutieren.
00:24:13: Und das machen wir nicht mehr.
00:24:14: Und Politik macht das auch nicht mehr.
00:24:16: Es wird nicht mehr erklärt.
00:24:18: Und die Zusammenhänge sind den Leuten einfach nicht klar.
00:24:20: So, und das ist ein großes Problem.
00:24:23: Das ist aber andererseits auch meine große Hoffnung.
00:24:26: Ja, weil wenn das so ist, dann ist das eine Chance.
00:24:29: Dann haben wir das auch selber in der Hand.
00:24:31: Aber jetzt sitzt du in einer sehr, sehr wichtigen Institution vor der IAK, also um den Strukturwandel richtig zu begleiten.
00:24:41: Welche Rolle sollte die IAK darin spielen?
00:24:45: Wir sind eine Ablose.
00:24:48: Wir müssen unseren Mitgliedsunternehmen helfen, durch all diese Themen durchzukommen.
00:24:54: Wir müssen da beraten, wir müssen informieren.
00:24:59: Vielleicht auch an manchen Stellen die Schnittstelle und auch die Kommunikations-Schnittstelle zu Bürokratie sein.
00:25:06: Genauso wie eine Wirtschaftsförderung auch.
00:25:08: Wenn ich wesentliche Zusammenhänge, die mir nicht klar sind, mit welchen Gesetzen bin ich konfrontiert, mit welchen Dingen muss ich mich beschäftigen als Unternehmerin und Unternehmer, dann sind wir derjenige, der dabei helfen müssen.
00:25:20: Und wir müssen, und das machen wir ja auch, glaube ich auch die wirtschaftliche Perspektive in den vor politischen und in den politischen Raum bringen.
00:25:31: Also das heißt, all das an betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Zusammenhängen, was wichtig ist, um politische Entscheidungen zu treffen, auch zu erklären.
00:25:41: Weil das ist, glaube ich, an vielen Stellen eines unserer größten Probleme.
00:25:47: Wir sind, was wichtige Themen angeht, als Gesamtgesellschaft.
00:25:52: Das soll jetzt nicht altklug oder irgendwie überheblich klingen, aber wir sind an manchen Stellen, glaube ich, einfach zu ungebildet.
00:25:58: Also woran mache ich das immer fest?
00:26:00: Ich komme ja aus der IT.
00:26:02: Ich habe jetzt keine repräsentative Umfrage gemacht.
00:26:05: Aber für die allermeisten in meinem Umfeld ist WLAN und Internet das gleiche.
00:26:14: Und die meisten sind nicht mehr irritiert, wenn ich diese komische Frage stelle.
00:26:19: Ja, also die sagen nicht, dass Internet geht nicht, sondern die sagen, dass WLAN geht nicht.
00:26:24: Dabei hat das eine mit dem anderen überhaupt gar nichts zu tun.
00:26:28: Also rein technisch.
00:26:30: Und so ist das in der IT.
00:26:33: Wir sind in der IT echt Hinterweltler an vielen Stellen, also die Bundesrepublik Deutschland und wir als Bevölkerung.
00:26:42: Und was betriebswirtschaftliche Zusammenhänge angeht, sind wir auch echt schwierig aufgestellt, weil das aber auch nicht vermittelt wird, nicht in dem Maß, wie das wahrscheinlich notwendig wäre, um auf die Veränderung der Zeit angemessen zu reagieren.
00:26:56: Und andere machen das anders.
00:26:58: Also
00:26:59: in der Schule ja auch eine sehr, sehr geringe Rolle.
00:27:01: Sehr, sehr geringe Rolle.
00:27:02: Und andere machen das anders.
00:27:04: Da sind Milliarden Kinder, junge Leute in Indien, in China, in dem ganzen Indo-Pazifischen Raum.
00:27:13: Und die haben einen ganz anderen Blickwinkel darauf, wie Marktwirtschaft oder, ich sag mal, Angebot und Nachfrage funktionieren bei uns.
00:27:23: Wird doch in der Schule, ich weiß es nicht, ob es inzwischen anders ist.
00:27:25: Nein, das ist nicht anders.
00:27:28: Unseren Schülerinnen und Schülern wird doch die Sinnhaftigkeit von Quartalsergebnissen und warum sich Unternehmen zu einem Ende eines Quartals anders verhalten als sonst.
00:27:38: Das wird doch keinem vermittelt, warum das so ist.
00:27:41: Dann müssen wir uns auch nicht wundern, wenn wir ganz viele Zusammenhänge nicht verstehen, ne?
00:27:45: Hast du ein Beispiel?
00:27:47: dass wir immer auch viel über andere sprechen.
00:27:51: Also wir sind ja auch immer sehr, sehr gut da drin, für das globale da draußen gute Vorschläge zu haben.
00:27:58: Hast du bei dir selbst im Unternehmen solche Themen, wo du auch feststellst, so funktioniert Wandel echt nicht.
00:28:07: Das muss ich anders machen.
00:28:08: Da brauche ich eine Lernkurve oder so, um und mit dem Thema Wandel, Veränderung usw.
00:28:15: anders umzugehen und so, dass du dir das dann auch für alle anderen, wie gerade beschrieben wünscht.
00:28:21: Jeden Tag, ehrlicherweise.
00:28:24: Ich hab jetzt keine so eine riesige Firma.
00:28:26: Aber ich stehe jeden Tag vor Aspekten, die ich in meinem beruflichen Leben noch nicht hatte.
00:28:33: Und die mich so herausfordern und auf die ich nicht sofort eine geeignete Antwort habe.
00:28:39: Dann ... Geht's ja auch darum, es muss aber trotzdem eine Entscheidung getroffen werden, sonst geht's ja nicht weiter, sonst hast du Stillstand.
00:28:47: Und dann ist es viel auch wieder eine Frage von Kommunikation und Fingerspitzengefühl.
00:28:52: Und dieses Fingerspitzengefühl, das fehlt mir auch häufig.
00:28:57: Ich verhalte mich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber, wenn ich das demnach hinein, dann häufig noch mal betrachte auch schon mal wirklich seltsam und auch unangebracht, situativ bedingt.
00:29:10: Weil diese Veränderung und diese Geschwindigkeit, mit der wir Dinge machen müssen, inzwischen in unserer Gesellschaft, sich so beschleunigt hat, dass du keine Gelegenheit hast, darüber nachzudenken.
00:29:23: Ich hasse ja zum Beispiel Instant-Messaging.
00:29:26: Ja, deswegen hab ich kein WhatsApp.
00:29:28: weil mich das total überfordert, dass die Erwartungshaltung eigentlich ist, dass wenn mir jemand schreibt, dass ich dann unmittelbar schon antworte und derjenige schon sehen kann, dass ich an der Antwort arbeite.
00:29:39: In der Kommunikation.
00:29:40: früher hat man sich einen Brief geschrieben.
00:29:43: Da stand ganz viel Kontext drin, dann hat derjenige, den den Brief geschrieben, hat darüber nachgedacht, was will ich in diesem Brief schreiben?
00:29:49: Das war mit hohen Kosten verbunden, das hat Zeit gedauert.
00:29:51: Und dann konntest du dir auch mit der Antwort Zeit lassen.
00:29:54: Und ich hab irgendwann Ja, mit WhatsApp aufgehört, als mir Kunden geschrieben haben, auf WhatsApp war nicht ihre E-Mail-Gedenke zu beantworten.
00:30:02: Das war für mich der Punkt, da hab ich gesagt, ey, das schaff ich jetzt nicht mehr.
00:30:04: Ich bekomme also eine E-Mail.
00:30:05: Das ist
00:30:06: ein Negativ-Beispiel.
00:30:07: Aber gibt auch positive, wo man schnelle Dinge klären
00:30:10: kann, die
00:30:11: lange gedauert
00:30:12: haben.
00:30:13: Ich chatte auch in der Firma mit Leuten, wo wir uns kurz abstimmen müssen.
00:30:18: Aber trotz alledem, ich chatte über Kleinigkeiten, und Marginalitäten, aber ich würde in einem Chat niemals eine wesentliche Unternehmensentscheidung kommunizieren oder treffen oder ähnliches.
00:30:29: So und ich finde auch die Antwort einer E-Mail, die es irgendwie in sich hat.
00:30:34: Das finde ich legitim, wenn das, ich sag mal, eine Postlaufzeit hat.
00:30:37: Das hat man früher als Begriff gehabt.
00:30:40: Postlaufzeit.
00:30:41: Das ist halt die Postlaufzeit.
00:30:43: Und das haben wir nicht mehr.
00:30:44: Wenn ich heute eine meiner Auszubildenden was von Postlaufzeit erzähle, denke ich, ich hab nicht mehr alle Tasten im Schrank.
00:30:50: Das kann der gar nicht nachvollziehen.
00:30:51: Und das ist tatsächlich etwas, wo ich auch an mir selber arbeiten muss.
00:30:57: Das wird, glaub ich, auch nicht mehr aufhören.
00:31:01: Zum Schluss mal einen Blick in die Zukunft.
00:31:03: Was muss in den nächsten fünf bis zehn Jahren unbedingt gelingen, damit Strukturwandel-Regionen wirklich stärkt?
00:31:10: Hier im Städte Dreik.
00:31:12: Du polarisierst ja auch mal ganz gerne, wofür wir dich ja auch lieben hier in der Region.
00:31:16: Aber was brauchen wir hier vor Ort?
00:31:19: Wir brauchen dringend Zusammenhalt.
00:31:21: Wir müssen uns darüber klar sein, dass wir unsere Fähigkeiten, die wir haben, bündeln müssen.
00:31:27: Wir müssen dafür sorgen, dass unsere drei großen Kommunen intensiver zusammenarbeiten.
00:31:33: Die sind, ich sage mal schon, alleine aus der Demografie heraus quasi gezwungen, das zu tun.
00:31:38: Wir müssen den Fokus tatsächlich in der sozialen Marktwirtschaft wieder stärker auf die Wirtschaft legen, auch hier bei uns in der Region.
00:31:47: Also das heißt, Wirtschaft muss einen hohen Stellenwert in der Zukunft haben.
00:31:53: Wenn wir den Wohlstand erhalten wollen und um diese Veränderung zu schaffen, müssen wir viel, viel mehr erklären.
00:32:01: Und da zum Beispiel, da lerne ich total viel jetzt von unseren drei neuen Oberbürgermeistern oder Oberbürgermeisterinnen.
00:32:10: Da wird jetzt zum Beispiel intensiv mit Social Media gearbeitet, um das, was gerade gemacht wird, zu beschreiben.
00:32:16: Jetzt bin ich kein Konsument davon, aber das ist total wichtig, um die Bevölkerung, also um die Menschen mitzunehmen, auch im Unternehmen, Und in so einer Stadt geht es ja auch darum, wir müssen das, was wir da tun und was an Veränderungen jetzt passiert, das müssen wir gut erklären, damit die Leute akzeptieren, dass das so ist und sich dann auch selber mutig auf den Weg machen, mitzumachen.
00:32:37: Das glaube ich ist der ganz entscheidende Aspekt.
00:32:39: Wir ändern immer positiv bei uns im Podcast, weil wir positiv nach vorne schauen wollen und auch motivieren wollen.
00:32:46: Was motiviert dich?
00:32:47: Wir haben vorhin auch eingangs, als wir uns hier begrüßt haben, noch über die aktuelle politische Situation unterhalten, die ja im Moment weniger rosig ist oder so.
00:32:58: Aber bei all diesen Rahmenbedingungen, was motiviert dich, morgens aufzustehen, zu kämpfen, dich zu engagieren?
00:33:05: Das ist eigentlich einfach.
00:33:07: Auch letztlich jetzt das, was wir hier in dem Podcast besprochen haben.
00:33:10: All die Aspekte, über die wir jetzt hier gesprochen haben, gerade die regionalen Aspekte und die individuellen Aspekte, sind Sachen, die wir selber beeinflussen können.
00:33:18: Also wir haben weiterhin noch das Heft des Handelns in der Hand.
00:33:24: Es hat noch keinen gegeben, der uns annektiert hat.
00:33:28: Es hat noch keinen gegeben, der uns kaufen möchte als Bundesrepublik Deutschland.
00:33:33: Wir haben noch die Situation, dass wir selber darüber entscheiden können, kriegen wir das hin oder kriegen wir das nicht hin.
00:33:39: Wir sind nicht Passagier, sondern wir sind noch in der Rolle des Piloten.
00:33:44: den Kurs festlegen und der muss die Entscheidung treffen, geht's rauf oder runter, machen wir schneller oder langsamer.
00:33:50: So lange wir in der Situation sind, sind wir eigentlich in der komfortablen Situation.
00:33:54: Und das ist etwas, warum ich letztlich jeden Morgen mit großem Engagement in die Firma gehe und auch mich jederzeit für diese IHK-Organisation mit großem Einsatz versuche einzubringen, weil ich davon überzeugt bin, dass wir all das was derzeit vielleicht nicht optimal ist, ändern können und die Dinge, die gut sind, trotzdem bewahren können.
00:34:16: Schöner Schlusssatz.
00:34:17: Vielen Dank, lieber Henner.
00:34:18: Sehr gerne.
00:34:18: Für deine Zeit und deine Gedanken.
00:34:20: Wenn euch das Gespräch gefallen hat, folgt uns gern, teilt die Folgen und bleibt mit uns im Gespräch.
00:34:26: Vielen Dank.
00:34:26: Auch von mir, danke schön, lieber Henner.
00:34:28: Danke auch, dass du dich hier für unsere Region so stark einsetzt.
00:34:31: Das war unser Podcast mit Haltung und Trocken.
00:34:33: Bleib neugierig, bleibt mutig, bleibt im Gespräch.
00:34:36: Alles Gute.
00:34:36: Tschüss.
00:34:37: Tschüss.
00:34:37: Das war mit Haltung
00:34:40: und Trocken.
00:34:42: Ein Podcast der Ruppertaler Stadtwerke mit Markus Hilkenbach und Markus Schlomsky.
00:34:47: In der nächsten Folge begrüßen
00:34:48: wir Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerkekooperation Trianell.
00:34:53: Mit ihm reden wir über erneuerbare Energieerzeugung und das Ende der fossilen Generation in Deutschland.
00:34:59: Hat euch die Folge gefallen?
00:35:01: Dann freuen wir uns über eure Bewertung und über eure Gedanken auf Social Media.
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